Über die ICC
Natürlich beinhaltet die gesamte Website Informationen über die Internationalen Gemeinden Christi (ICC/ICOC, International Churches of Christ). In diesem Abschnitt geht es um einen historischen Überblick.
Die ICC-Bewegung entsprang den traditionellen Gemeinden Christi {engl. "mainline" Churches of Christ"}. Folgende Eigenschaften charakterisieren die traditionellen Gemeinden Christi, dem größten Zweig der Restaurationsbewegung des 19. Jahrhunderts: das Ziel, die neutestamentliche Gemeinde des 1. Jahrhunderts zu "restaurieren", ihre Betonung auf sola scriptura (allein die Schrift/Bibel), ihre Lehre der Erwachsenentaufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden und ihre Abneigung gegen formelle Glaubensbekenntnisse (Dogmen) oder Glaubenslehrbücher (Praktiken).
Auch die ICC erwuchs der Ära der christlichen Jüngerschaftsgemeinden {engl. "shepherding churches"), welche in den 1960er und 1970er Jahren das Einsetzen eines persönlichen geistlichen Aufsehers (Hirten) in das Leben ihrer Mitglieder praktizierten. Bestimmte charismatische Gruppen (z.B. Pfingstler) verwendeten Jüngerschaftstechniken bis die Idee 1970 nach wiederholten Problemen mit Autoritätsmissbräuchen von geistliche Hirten in Ungnade fiel. (1)
In einer Gemeinde in Gainesville, Florida wurden die Lehren der traditionellen Gemeinden Christi mit den Jüngerschaftstechniken {engl. "sheperding techniques"} kombiniert, wo eine Initiative gestartet wurde, "um den Campus der Universität von Florida mit dem Evangelium von Jesus Christus zu durchdringen." (2). Der Studentenpastor Chuck Lucas, der Hauptverantwortliche für diese Neuerung, führte Jüngerschaftstechniken {engl. "discipling techniques"} ein wie "Gebetspartner" und Bibeldiskussionen {engl. "soul talks"} mit Schwerpunkt auf evangelistische Mitgliederwerbung und geistliche Rechenschaft von Mitgliedern gegenüber anderen Mitgliedern. Von Lucas wird berichtet, dass er unter anderem von der "US Campus Crusade"-Bewegung und dem von dem evangelikalen christlichen Autor Robert Coleman geschriebenen Buch "The Master Plan of Evangelism" beeinflusst wurde (3). (Coleman hat sich in einem Interview seitdem von der Crossroads/ICC-Interpretation seines Buches distanziert.)
Die Jüngerschaftstechniken und die Lehre der traditionellen Gemeinde Christi hat sich als eine explosive Mischung erwiesen. Der Studentendienst von Lucas wuchs schnell. Die zu dieser Zeit als Crossroads Church of Christ bekannte Gemeinde in Gainesville sah sich von den Medien und ehemaligen Gemeinden intensiver Kritik wegen angeblichem geistlichen Missbrauch ausgesetzt. Der Einflussbereich von Crossroads weitete sich nichtsdestotrotz weiter aus als sie begann, Studentenpastoren für den Einsatz in den ganzen USA auszubilden.
Der prominenteste Bekehrte der Crossroadsbewegung und spätere ICC-Gründer Kip McKean wurde am 11. April 1972 als ein 17-jähriger College-Studienanfänger getauft und von Chuck Lucas im Glauben betreut {engl. "discipled"}.
McKean wurde 1976 als Studentenpastor in der Heritage Chapel Church of Christ in Charleston, Illinois angestellt. Nachdem einige Meinungsverschiedenheiten mit McKean folgten, zog seine Fördergemeinde in Houston ihre finanzielle Unterstützung von McKean und seinem Co-Pastor in Charleston, Roger Lamb, in einem Brief von den Ältesten zurück:
Wir glauben, dass Bruder McKean unbiblische Praktiken, eine eigentümliche Sprache und subtile, betrügerische Lehren von der Crossroads-Gemeinde in Florida nach Charleston gebracht hat.
Beide Pastoren [Kip McKean und Roger Lamb] weigerten sich beständig zuzugeben, dass es überhaupt ein Problem gab und sie lehnten es ab, eine Warnung davor zu akzeptieren, wohin einige "geringfügige Abweichungen" führen würden (sogar in Charleston).
.uns bleibt keine andere Wahl als ab sofort unsere Beziehung sowohl zu Roger als auch Kip zu beenden. (6)
McKean und Lamb blieben weiterhin in Charleston und die Ältesten in Charleston beschafften anderweitig finanzielle Unterstützung für sie, obwohl einer dieser Ältesten Jahre später sagte, dass sie selbst ernste Vorbehalte gegenüber den von Lamb und McKean benutzten Techniken hatten.(7) Die Heritage Chapel Church of Christ existiert heute nicht mehr.
Im Juni 1979 wurde Kip McKean gebeten, die Lexington/Massachusetts Church of Christ zu leiten und er brachte die Crossroads-Methodik mit. Ein neuer Auswuchs der Crossroads-Bewegung begann von "dreißig Möchtegern-Jüngern" {engl. "would-be disciples"}. Schnelles Wachstum folgte und die Gruppe nannte sich bald Boston Church of Christ. Zuletzt folgte auch Kritik von ehemaligen Mitgliedern und den Bostoner Medien.
In Boston baute McKean auf das Crossroads-Konzept der "Gebetspartner" auf - ein Kameradschaftssystem für geistliches Wachstum und Überwachung - und kam dann auf Jüngerschaftspartner, {engl. "discipleship partners"}, ein ähnliches System, aber bei dem die Partner von der Leitung ausgewählt wurden statt von den Mitgliedern selbst (8). McKean behauptet, dass Gott ihm Anfang 1982 einen Plan zur Evangelisation der Welt ans Herz legte (9). Als in den 1980ern die Boston Church of Christ begann, andere Gemeinden in der ganzen Welt zu "gründen", wurden sie insgesamt als die "Bostoner Bewegung" {engl. "Boston Movement"} mit Boston als Dreh- und Angelpunkt und "Muttergemeinde" bekannt. Zu dieser Zeit verblieb die Bostoner Bewegung in der Gemeinschaft mit den traditionellen Gemeinden Christi und betrachteten sie immer noch als "gerettete" Brüder. In der gleichen Zeit "stellte" Boston traditionelle Gemeinden Christi "wieder her", indem sie ihnen ihre umstrittenen Jüngerschaftsmethodik aufdrängten und diese Gemeinden unter die Autorität von McKean und Boston stellten. Die Bostoner Bewegung trat aus der Gemeinschaft mit den traditionellen Gemeinden Christi ungefähr 1987 aus. Die Bewegung änderte um diese Zeit viele ihrer zentralen Lehren (siehe Neue Töne werden angeschlagen).
McKean ernannte 1988 einige seiner loyalsten und talentiertesten Leiter zu seiner "Kerngruppe" {engl. "Focused Few"} (10), später wurden sie "Weltsektorenleiter" genannt. Jedem von ihnen wurde ein Teil der Welt zur Evangelisation zugewiesen. Im Juni 1989 gab McKean das Amt des Bostoner Haupt-Evangelisten auf, um eine neue Position als Weltmissionsevangelist zu übernehmen und mit neu gegründeten Gemeinden zu arbeiten "wie [der Apostel] Paulus es getan hatte im ersten Jahrhundert." (11).
Bald nachdem McKean im Januar 1990 nach Los Angeles zog und die neue Los Angeles Church of Christ der Bewegung übernahm, ersetzte Los Angeles Boston als die "Vorzeige"-Gemeinde der Bewegung (13). 1991 wurde der wohltätige Zweig der Bewegung, HOPE worldwide, gegründet, der seitdem eine beidseitig nützliche Beziehung zur Gemeinde unterhielt (siehe Die ICC und HOPE worldwide). Die Bewegung nahm 1993 offiziell den Namen "Internationalen Gemeinden Christi" {engl. "International Churches of Christ"} an (14).
Die Kritik an der ICC von ehemaligen Mitgliedern und in Artikeln in den Medien in der ganzen Welthielt an. 1994 wurde eine gesamte ICC-Gemeinde - die Indianapolis Church of Christ - in zwei Teile gespalten als die ICC Hunderte von Mitgliedern ausschloss, dafür dass sie versuchten die lokale Gemeinde zu reformieren.
Um die ICC formell für McKeans Ziel der Weltevangelisation innerhalb einer Generationzu verpflichten, verfasste McKean die "Evangelisationsproklamation", die von seinen Weltsektorenleitern am 4. Februar 1994 unterzeichnet wurde (15). Die Proklamation beauftragte die ICC, bis zum Jahr 2000. in jeder Nation weltweit mit einer Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern eine Gemeinde zu gründen. Das Ziel der Evangelisationsproklamation wurde im Juli 2000 erreicht. Zu dieser Zeit gab die ICC an, über 120.000 Mitglieder zu haben. Die ICC richtete ihren Fokus dann auf den "Jenseits-2000-Plan", welcher von der ICC forderte, in den weltweit übrigen Nationen, Gemeinden zu gründen und zusätzliche Gemeinden in den Nationen zu gründen, wo die ICC bereits etabliert war (16).
Für die ICC begann eine Zeit abnehmenden Wachstums und dann einer Leitungskrise. Am 11. November 2001 wurde bekannt gegeben, dass Kip McKean und seine Frau Elena ein Sabbatjahr von ihren täglichen Leitungsaufgaben nehmen würden, um an "ernsthaften Mängeln in [ihrer] Ehe und Familie" zu arbeiten. Im November 2002 trat Kip McKean von seinen Positionen des Weltmissionsevangelisten und Leiter der ICC-Weltsektorenleiters zurück und entschuldigte sich für Sünden in der Leitung, aber schwor nicht dem sorgfältig ausgearbeiteten System der ICC-Lehren und -Praktiken ab, das er mithalf einzusetzen.
Die ICC-Krise eskalierte Anfang 2003 als ein Brief mit dem Titel "Honest to God" von dem langjährigen ICC-Evangelisten und Autor Henry Kriete geschrieben wurde und dieser schnell von anderen um den ganzen Globus verteilt wurde. Krietes Brief sprach offen über "vier systemische Übel" in der ICC-Leitung und rief zu tiefgreifenden Reformen auf. Viele ICC-Gemeinden führten Reformen in verschiedenen Ausmaßen durch und die zentrale ICC-Leitung löste sich auf.
Ebenfalls 2003 tauchte Kip McKean als Evangelist der Portland (Oregon) Church of Christ wieder auf, benutzte fast die identischen Lehren und Praktiken und gründetet andere Gemeinden im Bundesstaat Oregon. 2005 rief McKean die ICC-Gemeinden auf, sich vereint hinter Portland zu stellen, um in einer neuen Anstrengung, die Welt zu evangelisieren oder andernfalls zu riskieren, dass eine von McKean kontrollierte Gemeinde in der gleichen Stadt gegründet wird (17). Zum ersten Mal widersetzten sich damals zahlreiche ICC-Gemeinden McKean und nannten ihn "spalterisch", was zu einer Spaltung in der Bewegung führte.
Die ICC ist heute weiterhin eine zersplitterte Bewegung mit vielen der ungesunden Dynamiken der Vergangenheit.
Da diese Website viel Kritik an den Internationalen Gemeinden Christi übt, muss auch anerkannt werden, dass nicht alles negativ bzgl. der ICC ist. In der Tat hat sie auch bemerkenswerte Stärken. Hier sind zehn positive Dinge über die ICC:
1. Die Mitglieder sind aufrichtig. Die Mitglieder der ICC haben größtenteils gute Absichten, sind sehr engagiert Leute und versuchen meist, das zu tun, was sie als wahrhaftig erachten.
2. Die Leiter sind talentiert. Die ICC hat eine starke und talentierte Führungsmannschaft. ICC-Leiter sind typischerweise intelligente, charismatische Leiter und überzeugende Redner. Viele der ICC-Leiter sind genauso aufrichtig wie das typische ICC-Mitglied.
3. Die Gruppe ist gewissenhaft. Die Organisation nimmt an, dass "wir die einzige Organisation sind, die gerettet ist" und versucht, entsprechend danach zu handeln (d,h. die Welt zu evangelisieren). Obwohl wir gerne sehen würden, dass die Organisation diese falsche Annahme verwerfen würden, ist es bewundernswert, dass das Handeln der ICC oft in Übereinstimmung mit ihren Überzeugungen ist.
4.Die Organisation ist effektiv. Eine hierarchische Autoritätsstruktur von oben nach unten hat einige Vorteile und Effizienz ist einer von ihnen (kein Wunder, dass das Militär sich entschieden hat, sich in dieser Weise zu organisieren).
5. Die Gruppe fördert enge Beziehungen. In einer Zeit, in der viele Menschen jeglichen Kontakt mit ihrer nächsten Umgebung verloren haben, gibt die ICC ihren Mitgliedern etwas, zu dem sie gehören und sich als Teil davon fühlen. In der Tat scheinen viele Mitglieder wegen der menschlichen Beziehungen statt aufgrund der Lehre oder Praxis der Gruppe zu bleiben.
6. Der Umfang der Organisation ist eindrucksvoll. Es ist eindrucksvoll, dass die ICC eine solche Größe und Reichweite erreicht hat seit ihrer Gründung in den 1970ern.
7. Die Gruppe fördert einige bewundernswerte geistliche Prinzipien. Da die ICC die Bibel als Grundlage für bestimmte Praktiken und Lehren verwendet , können die Mitglieder Dinge lernen, die ihrem persönlichen bzw. geistlichen Leben nützen.
8. Die Organisation ist innovativ. Während einige der Praktiken der ICC (z.B. Jüngerschaft) eigentlich ihre Wurzeln in vorangehenden Gruppen haben, hat die ICC einen eigenen Anteil an Innovationen (z.B. Dienstbereiche für Berufstätige mit Abend-/Nachtdienst {engl. daytime ministries} in großen Städten), was sie von den typischen Gemeinden "um die Ecke" unterscheidet.
9. Gottesdienste und Veranstaltungen können begeisternd sein. Die Gottesdienste der ICC sind dazu gedacht, zu inspirieren und können fesselnd und motivierend sein.
10. Die Gruppe ist vielfältig. Global, multinational und für den größten Teil nicht von Diskriminierung geplagt, hat die ICC mit ihrer Vielfältigkeit oft ein gutes Beispiel für andere Organisationen gegeben.
Der Rest dieser Website wird oft kritische Ansichten bzgl. der ICC wiedergeben. Diese "schlechten Punkte" widersprechen nicht den guten - beide sind da, oft gleichzeitig, oft untrennbar (in der Tat können einige der guten Punkte negative "Seiteneffekte" haben). Wenn die Leser einmal die ICC vollständig erforscht haben, können sie für sich selbst entscheiden, ob das Gute das Schlechte überwiegt.
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Anmerkungen:
(1) Don Vinzant, Roots of the Modern Discipling Movement in The Discipling Dilemma, Flavil Yeakley, Ed., Gospel Advocate Co., Nashville, 1988, p. 130-134.
(2) 14th Street Church of Christ, Campus Advance: A Stratery to Penetrate the Campus of the University of Florida with the Gospel of Christ, September 15, 1967.
(3) Robert E. Coleman, The Master Plan of Evangelism, 30th Anniversary Edition, Fleming H. Revell, Grand Rapids, MI, 1993.
(6) Delbert Burkhart, Vorsitzender der Ältesten, Memorial Church of Christ, Brief geschrieben an die Heritage Chapel Church of Christ in Charleston, 14. April 1977.
(7) Reginald Replogle Telefongespräch mit dem Autor, 15. Februar 1999.
(8) Kip McKean (Gründer), Revolution Through Restoration: From Jerusalem to Rome: From Boston to Moscow, Upside Down, Issue Two, 1992, p. 8.
(9) Kip McKean, "Revolution Through Restoration II," icoc.org, 1994.
(10) Kip McKean, The Focused Few, Boston Church of Christ bulletin, Vol. IX, No. 35, Boston, MA, September 4, 1988.
(11) Tom Jones & Roger Lamb (Chefredakteur, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit), You Might Be Fighting God, First Principles, 1993.
(13) Los Angeles Church of Christ, Kip McKean and Elena Garcia-McKean biography, losangeles.icoc.org, 1998.
(14) Kip McKean & Elena McKean, Mitteilung an die Haupt-Evangelisten und Frauendienstleiterinnen, 22. Juli 1993.
(15) Kip McKean and World Sector Leaders, The Evangelization Proclamation, Upside Down, Issue 11, August 1994, centerfold.
(16) International Churches of Christ, 1997: Beyond 2000, LA Story, August 1999, p. 9.
(17) Kip McKean, "The Portland Story," portlandchurch.org, August 21, 2005.
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